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Philip Jaerschky
* 15. Juni 1979, † 11. April 2003
Ganz ruhig, fast lässig steht P
HILIP
an sein
Auto gelehnt. Er scheint keine Eile zu haben.
Ich hingegen habe mich abgehetzt wie ein
Wahnsinniger, um pünktlich an unserem
Treffpunkt zu sein. Mein erstes Treffen mit
P
HILIP
. Gut, wir haben schon viel telefoniert,
aber persönlich haben wir uns noch nie ken-
nengelernt. Mein erster Eindruck deckt sich
mit meiner Einschätzung vom Telefon. Ruhig
und gelassen, souverän aber alles andere als
überheblich. P
HILIP
ist mir auf Anhieb sympa-
thisch. Unser erster gemeinsamer Kurs verläuft
sehr erfolgreich. Es ist ein Insentiv, eine Ver-
anstaltung für Firmen, bei der absolute Nicht-
kletterer auch mal klettern dürfen. Auch mit
diesen „Greenhorns“ weiß P
HILIP
umzugehen und jedem das Gefühl zu geben,
gut gewesen zu sein, etwas geleistet zu haben.
P
HILIP
war auf vielen Feldern aktiv. Ich hatte zu ihm Kontakt über die A-
gentur P&J, die er zusammen mit einem Bekannten aufzog. Dann war er eine
Zeitlang Verkaufsförderer bei Benetton und dort für den Bereich der Asolo
Bergschuhe verantwortlich. Aber diese Sesselhockerei war nicht sein Ding. Er
wollte aktiver sein, mehr raus. Und raus kam P
HILIP
dann viel. Er war Teil-
nehmer an der Deutschen Leistungsexpedition zum N up tse East und ein Jahr
später Mitglied der Mt. McKinley Expedition des DAV. P
HILIP
war sicherlich
einer der besten Deutschen Allround-Bergsteiger, aber er war immer beschei-
den und machte nicht viel Aufsehen um seine Erfolge. Irgendwann erzählte er
mir mal beiläufig, dass er vergangene Woche mit einem Gast den Freney Pfei-
ler gemacht hätte. Für ihn ganz normal, ich war zutiefst beeindruckt.
Jahre nach unserem ersten Treffen hatte ich eine gemeinsame Führung mit
P
HILIP
in La Grave. Zusammen mit Freunden hatte er die Bergschule Picos
gegründet. Der Hauptsitz lag in Freiburg, P
HILIP
führte die Münchener Depen-
dance, Picos München sozusagen.